Das sagt die Presse

Trierischer Volksfreund im Juli 1998

So einen muss man mit der Laterne suchen ...

Festakt zum 900jährigen Jubiläum von Weiperath. Orts-Chronist Alois Schommer hat die historischen Fakten ins richtige Licht gerückt.

Von Ulrike Löhnertz

Morbach-Weiperath. "Wenned Bräi rähnd, mous ma en Läffel han." Dieses alte Hunsrücker Sprichwort mag Ortsvorsteher Herbert Schuh in den Sinn gekommen sein. Zwar regnete es bei der vom örtlichen Musikverein begleiteten Eröffnungsveranstaltung zur viertägigen 900-Jahr-Feier des Hunsrückdorfes im Festzelt keinen Brei, dafür aber Geld.

Denn nicht nur der Morbacher Bürgermeister Gregor Eibes hatte seinem von den intensiven Vorbereitungen für die Jubiläumsfeier etwas gebeutelten 320-Seelen-Ortsteil einen dicken Scheck mitgebracht, auch Franz-Rudolf Schuh von der Morbacher Geschäftsstelle der Kreissparkasse überreichte dem völlig verdutzten Gemeindeoberhaupt ein ebensolches Formular. In die Liste der finanzkräftigen Gratulanten reihte sich auch Landrätin Beate Läsch-Weber ein.

Die meisten Weiperather hatten ihren Heimatort bereits mit ihrer Hände Arbeit beschenkt. Denn bei den seit Januar 1997 laufenden Vorbereitungen für das große Fest hatten die Bürger und ihre Freunde aus den Morbacher Nachbargemeinden tatkräftig mit angepackt. Aber auch das wusste Schuh zu schätzen. "Die Durchführung dieses Festes war trotz der finanziellen Unterstützung der Gemeinde nur in vielen Stunden an Eigenleistungen möglich. Dies war nur mit der Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft möglich." Obwohl sich der 17köpfige Festausschuss in den 18 Monaten der Vorbereitung nicht immer ganz einig gewesen war, hatte man sich wieder zusammengerauft. "Wir sind bei den Festvorbereitungen wieder ein Stück zusammengerückt", freute sich Schuh.

Dass es in der 900jährigen Geschichte des Hunsrückortes des öfteren auf und ab gegangen war, daran erinnerte Hobby-Historiker Alois Schommer. Wer sonst als der 78jährige, der 1994 seine 440seitige Chronik von Weiperath veröffentlicht hatte, sollte sich damit besser auskennen? "Für einen großen Teil der ländlichen Bevölkerung war die Dorfgeschichte gleichzeitig Weltgeschichte, mit all ihren Ereignissen. Kampf um das tägliche Brot, Angst vor Hunger und Krankheit, vor Naturkatastrophen und Kriegen. Aber es gab auch Zeiten der Freude."

Auch Landtagsmitglied Günter Rösch (SPD) reihte sich unter die Gratulanten ein: "Wir sollten uns an die Traditionen erinnern. Sie sind Ansporn zum Erhalt alter Werte, aber auch zum Weitermachen. Heimatverbundenheit ist ein guter Grund, auf dem neues Wirken stattfinden kann." Das hatte sich auch die Elterntheatergruppe des Fördervereins Weiperather Kindergarten gedacht.

Sie brachte für die Geburtstagsfeier ihres Heimatortes etwas Historisches auf die Bühne, das an die Ortschronik angelehnte Stück "Weipert, der Nabel der Welt". Die Zuschauer erfuhren wahre Begebenheiten aus der Weiperather Geschichte - zum Beispiel, dass  bereits um 200 die Römer auf der Weiperather Gemarkung siedelten und welche Bedeutung die fünf fränkischen Fundstücke auf dem Meinsberg haben. Auch das wichtigste Ereignis in der Historie des Jubiläumsortes brachten die Schauspieler auf die Bühne.

Als der fränkische Siedler Wipo seinen Hof dem Kloster St. Maximin in Trier übergab, schrieb man das Jahr 1098. Aber das hätten weder die Theaterspieler noch die anderen "Weiperter" gewusst, würde es nicht Alois Schommer geben. Er hatte in seinem Buch mit dem Irrtum aufgeräumt, dass Weiperath erstmals 1303 erwähnt worden sei. "Wäre Alois Schommer nicht gewesen, so würden wir heute nicht hier stehen und feiern", stelte Schuh fest. Weil die Weiperather aber gerne feiern, ernannte er den Orts-Chronisten zum Ehrenmitglied des Heimatvereins. Dabei mag dem Vorsteher ein Sprichwort in den Sinn gekommen sein: "So een mous ma mod da Lannda siche goan" (So einen muss man mit der Laterne suchen gehen).
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