Das sagt die Presse

Trierischer Volksfreund im Juli 1998

Spaziergang duch die "gute alte Zeit"

Beim Jubiläumsfest in Weiperath lebte Erinnerung an die Vergangenheit auf - Nur das Wetter enttäuschte.

Von Klaus Kimmling

Morbach-Weiperath. So muss es früher gewesen sein: Frauen sitzen mit ihren Spinnrädern vor der Haustür und spinnen die Wolle, der Bauer treibt mit typischem Peitschenknall sein Pferdegespann durchs Dorf, die Müller gehen in ihrem weißen Gewand zur Arbeit, Kinder laufen über die Straße zum Dorfbrunnen und trampeln aus Versehen mit ihren schwarzen Schuhen über die frisch ausgelegten Wäschestücke.
Das Waschbrett folgt dem "Balg" in hohem Bogen auf seinem Weg, und der versteckt sich im Stand des Tändlers, der wie damals darauf hofft, dass die Frauen ihn nicht den ganzen Tag umsonst hier stehen lassen. Dass die Zeit nicht zurückgedreht werden kann, oder wir per Zeitmaschine in die Vergangenheit wechseln können, ist trotz aller technologischen Entwicklungssprünge nicht möglich.

Auch Kleidermode hatte sich kaum verändert

Realität ist aber auch, dass die Bürgerinnen und Bürger von Weiperath in den letzten Monaten viel Zeit und Arbeit investiert haben, um zahllosen Besuchern des historischen Dorffestes zumindest kurzweilig das Gefühl zu vermitteln, sie befänden sich in der sogenannten "guten alten Zeit". Das Vorhaben ist geglückt, und unwillkürlich wurden bei dem einen oder anderen Besucher Erinnerungen an die Kindheit wach. Ob der Impuls vom rhythmischen Hammerschlag der zwei Schmiede, vom Pferdegeklapper eines plötzlich die Strecke kreuzenden Gespanns ausgelöst wurden, vom Anblick der Händler und Krämer oder von den hellen Stimmen am Dorfbrunnen, wo "Waschweiber" ihre Wäsche am Waschbrett schlugen, war letztlich gleichgültig.
Die alten Zeiten haben zumindest für die Dauer des dreitägigen Dorffestes Einzug gehalten. Selbst die Kleidermode hat sich für die Dauer der Festlichkeiten zum Teil drastisch verändert. Es sind viele Details, die deutlich machen, wie viel Arbeit in die historischen Straßen von Weiperath investiert wurde.

Viel bestaunt und reichlich Diskussionsstoff boten die über 1 000 Bilder und Fotos der letzten 100 Jahre, die Land und Leute betreffend ausgestellt wurden. Auch die Heimatstube, unter anderem prall gefüllt mit alten Kostbarkeiten wie Porzellan, Leinen, Geschirr und Möbelstücken, veranlassten die Besucher zum teilweise lange Verweilen. Selbst die Entstehung diverser Hausnamen sind auf extra gefertigten Schildern (Strohwischen) erklärt. Vergessen Düfte steigen in die Luft

Oft sind es Kleinigkeiten, wie die High-Tech-Kamera in der Hand des Müllers oder das Läuten eines Handys, das am Dorfbrunnen die kräftigen Waschbewegungen der Frauen irgendwie unwirklich erscheinen lassen. Dann wieder lenkt ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit seine Aufmerksamkeit auf sich: die Kartoffeldämpfmaschine.

Rauch und längst vergessene Düfte steigen in die Luft während des Garungsprozesses der Kartoffeln. Trotzdem, der Wunsch ist wie so oft der Vater des Gedankens, und gerne bleibt man stehen und versucht die Erinnerung zu intensivieren.

Gelegenheit zum Staunen gab es bei mehr als 70 Ständen mehr als genug. Am Ende öffnen sich die Augen des Betrachters, und er sieht auf dem Feld Getreidegarben stehen, im Vordergrund weidende Kühe. Weiter weg - dann plötzlich wieder die parkenden Autos -, doch es war nur ein Traum. Lediglich die teilweise ungünstigen Witterungsverhältnisse bescherten den Veranstaltern einen kleinen Wermutstropfen. Sicherlich wären die Besucherzahlen wesentlich stärker ausgefallen, wenn Sonne und Temperaturen ein klein wenig freundlicher ausgefallen wären. Zumindest in diesem Bereich hat sich damals wie heute nichts geändert.

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